Von der Strategie zur Praxis: Automatisierte Mobilität als Innovationsfeld der Mobilitätswende
Ausgangslage und Relevanz
Automatisierte Mobilität gewinnt zunehmend an Bedeutung und kann einen wesentlichen Beitrag zum Erreichen der Mobilitätswende leisten. Sie bietet großes Potenzial, Umweltbelastungen zu reduzieren, die Verkehrssicherheit zu erhöhen und gleichzeitig wirtschaftliche Chancen sowie neue Arbeitsplätze in Österreich zu schaffen.
Der Verkehr wird durch automatisierte Mobilität durch bessere Auslastung der Fahrzeuge, optimierte Verkehrsflüsse und energiesparendes Fahren effizienter. Auch neue Mobilitätsangebote, etwa bedarfsorientierte oder geteilte Dienste, werden begünstigt. Zudem profitieren moderne, multimodale Verkehrskonzepte von der Nutzung und Vernetzung von Daten. Insgesamt kann so der Umstieg vom privaten Pkw auf öffentliche Verkehrsmittel gefördert werden. Ein weiterer Vorteil liegt in der Verbesserung der Verkehrssicherheit. Fahrerassistenzsysteme sowie automatisiertes Fahren reduzieren Verkehrsunfälle und verringern den Schweregrad von Unfällen.
Gleichzeitig gibt es Risiken. So könnten Rebound-Effekte auftreten – etwa mehr Verkehr, weil automatisierte Autos komfortabler sind und dadurch häufiger genutzt werden. Deshalb ist es entscheidend, automatisierte Mobilität mit nachhaltigen Konzepten wie emissionsfreien Antrieben oder geteilten Fahrzeugnutzungen zu verbinden (Quelle).
Automatisierte Mobilität? - Einfach erklärt!
Automatisierte Mobilität bedeutet, dass ein Fahrzeug dynamische Fahraufgaben wie Lenken, Bremsen oder die Umgebungsüberwachung selbst übernimmt. Damit wird die fahrende Person teilweise oder vollständig ersetzt. Je nach Automatisierungsgrad ist der Mensch als Lenker:in noch in der Verantwortung oder das Fahrzeug fährt völlig eigenständig (Quelle) (Quelle).
Unterschiedliche Levels des automatisierten Fahrens werden in der Regel mithilfe einer 5-stufigen Skala beschrieben. Diese reicht von Level 1 „Assistiert" bis zu Level 5 „Vollautomatisiert". Wie in der Grafik ersichtlich wird dabei insbesondere zwischen ADAS (Advanced Driver-Assistance Systems/fortschrittlichen Fahrerassistenzsystemen) und ADS (Automated Driving Systems/automatisierten Fahrsystemen) unterschieden. Auf den unteren Levels der Automatisierung (ADAS) bleibt die Verantwortung für das Fahren stets beim Menschen. Bei höheren Levels (ADS) übernimmt hingegen das System selbst die volle Kontrolle über die dynamischen Fahraufgaben (Quelle) (Quelle).
Ein Schritt weiter: Cooperative Connected Automated Mobility
Der Begriff „Cooperative Connected Automated Mobility" (CCAM) beschreibt einen grundlegenden Wandel im Mobilitätssystem. Die EU sieht darin einen wichtigen Schritt, um Verkehrsmanagement, Verkehrssicherheit, Lebensqualität und Komfort deutlich zu verbessern (Quelle).
Doch was bedeuten die Begriffe „Connected" und „Cooperative" in dieser Hinsicht?
Bei vernetzter Mobilität werden Fahrzeuge über Telekommunikation mit Daten versorgt oder liefern selbst Informationen. So werden Dienste wie Carsharing, Mobilität-as-a-Service (MaaS), Flottensteuerung oder Verkehrsmanagementanwendungen unterstützt. In der Regel ist dabei ein:e externe:r Anbieter:in beteiligt, der/die die Daten verarbeitet (Quelle).
Die kooperative Mobilität geht darüber hinaus: Fahrzeuge kommunizieren direkt miteinander (Fahrzeug-zu-Fahrzeug) und mit der Infrastruktur (z. B. Ampeln oder Verkehrszeichen). Der kooperative Aspekt zeigt sich dadurch, dass automatisierte Fahrzeuge auf die erhaltenen Informationen, wie beispielsweise Warnungen vor Staus oder Gefahrenstellen, direkt reagieren können (Quelle) (Quelle).
Österreich setzt auf klare Strategie und Zusammenarbeit für automatisierte Mobilität
Auf nationaler Ebene sorgt ein strategischer Rahmen dafür, dass die Chancen automatisierter Mobilität gezielt genutzt werden. Bereits 2016 wurde der Aktionsplan „Automatisiert – Vernetzt – Mobil" herausgegeben, gefolgt vom Maßnahmenpaket „Automatisierte Mobilität 2019–2022". Ende 2023 wurde ein neues Positionspapier veröffentlicht, das ein Zielbild für das Jahr 2040 definiert – abgestimmt auf den Mobilitätsmasterplan 2030. Darin werden Leitlinien, Prioritäten und konkrete Handlungsfelder festgelegt.
Auch in der Industriestrategie Österreich 2035, die Anfang 2026 erschienen ist, spielt Automatisierte Mobilität eine zentrale Rolle. Als Teil des Handlungsfelds „Infrastruktur, Mobilität & wirtschaftliche Resilienz" werden Maßnahmen gefordert, um eine Modellregion für automatisierte Mobilität zu schaffen und Test- sowie Messinfrastrukturen zu fördern. Ziel der Modellregion ist es, neue Technologien unter realen Bedingungen im Alltag zu testen und weiterzuentwickeln. Im Fokus steht ein öffentlich sichtbarer „Showcase", bei dem österreichische Lösungen und technologische Kompetenzen demonstriert werden. Auf dieser Grundlage ist ein schrittweiser Übergang in einen kontrollierten Regelbetrieb vorgesehen. Langfristig soll ein eigenes Implementierungsprogramm sicherstellen, dass automatisierte Mobilität in ganz Österreich ausgerollt und skaliert werden kann (Quelle).
Auch an der notwendigen gesetzlichen Grundlage für den Regelbetrieb wird aktuell gearbeitet. Mobilitätsminister Peter Hanke strebt an, dieses Gesetz noch im kommenden Jahr auf den Weg zu bringen.
Parallel dazu werden derzeit auch die Möglichkeiten zum Testen automatisierter Fahrzeuge erweitert. Durch die Novellierung der AutomatFahrV und des Kraftfahrgesetzes soll fahrerloses Fahren unter Aufsicht im öffentlichen Raum erlaubt werden. Das legt die Basis für den Flottenbetrieb und gewerbliche Anwendungen beim Testen. Darüber hinaus soll es auch Neuerungen beim Einsatz von Fahrassistenzsystemen im Regelbetrieb geben: auf Autobahnen und Schnellstraßen darf automatisiert die Spur gewechselt werden (Quelle).
Ein zentraler Fokus liegt in Österreich auf der Zusammenarbeit. Mit der Strategischen Allianz Automatisierte Mobilität (SAAM Austria) werden Industrie, Forschung und öffentliche Institutionen enger vernetzt. Zusammenarbeit erfolgt auch auf EU-Ebene: Österreich unterschreibt im Juni 2026 eine europäische Cross-Border-Initiative für automatisierte Mobilität (Quelle). Ziel ist es, groß angelegte grenzüberschreitende Testfelder für automatisierte Fahrzeuge einzurichten. Außerdem soll der Binnenmarkt gestärkt werden, etwa durch harmonisierte Regelungen (Quelle).
Das Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) fördert als zuständiges Ministerium gezielt Forschungs- und Entwicklungsprojekte in diesem Bereich. Aktuell wird im Rahmen der Ausschreibung Mobilitätswende 2026/1 – Mobilitätstechnologie nach Einreichungen u.a. zu den Themen automatisierte Gütermobilität und SAAM Austria gesucht. Für praktische Tests gibt es eine eigene Anlaufstelle. Die Kontaktstelle Automatisierte Mobilität unterstützt und berät Organisationen dabei, automatisierte Fahrzeuge im öffentlichen Straßenverkehr in Österreich zu testen. Weitere relevante Institutionen für die praktische Erprobung automatisierter Mobilität sind zwei nationale Testumgebungen: ALP.Lab (Steiermark) und Digitrans (Oberösterreich).
Leitprojekt ROBERTA
Mit Februar 2026 startete das Leitprojekt ROBERTA, welches prüft, ob vollautomatisierte Busse (Level 4) nach derzeitigem technologischem Stand im regulären öffentlichen Verkehr in Österreich eingesetzt werden können. ROBERTA steht für Real wOrld automated Bus opERaTion Austria. Hintergrund sind technologische Fortschritte und laufende Tests solcher Busse in mehreren europäischen Städten.
Ziel ist es, das bestehende Öffi-Angebot mindestens beizubehalten oder sogar zu verbessern - etwa durch bessere Verfügbarkeit und flexiblere Verbindungen. Gleichzeitig soll ein inklusives, sicheres und leistbares Mobilitätsangebot für alle Bevölkerungsgruppen entstehen. Auch die internationale Wettbewerbsfähigkeit Österreichs im Bereich automatisierter Mobilität soll gestärkt werden.
Ein Schwerpunkt liegt auf der praktischen Umsetzung: In vier Pilotregionen, welche Stadt, Umland und ländlichen Raum repräsentieren, werden automatisierte Busse ein Jahr lang in den normalen Betrieb integriert. Die Teststrecken sind zwischen 10 und 20 Kilometer lang und werden von lokalen Verkehrsunternehmen betrieben. Das Projekt setzt auf skalierbare Lösungen für ganz Österreich statt einzelner Insellösungen. Herausforderungen gibt es etwa bei der Integration in bestehende Systeme, bei rechtlichen Rahmenbedingungen, Kostenentwicklung und der Akzeptanz in der Bevölkerung.
Unterstützt wird das Vorhaben von Bundesländern und Sozialpartnern. Mit der Erprobung von Level 4 Bussen im Öffi-Netz von vier Pilotregionen für ein ganzes Jahr gilt ROBERTA als europaweit einzigartiger Ansatz und somit besonders innovativ (Quelle).
Aktuelle Forschungsprojekte
Automatisierungstechnologien
Diese Projekte entwickeln die technologischen Grundlagen der automatisierten Mobilität, von innovativer Sensorik und passiver Lokalisierung über 5G-basierte Fernsteuerung bis hin zur sicheren Automatisierung von Arbeitsmaschinen.
auto.GigaApp - 5G-Tele-Operation für effiziente automatisierte Mobilität
Das Projekt auto.GigaApp bereitet automatisiertes Fahren durch 5G-basierte Teleoperation vor. Es zielt auf die Fernsteuerung von Fahrzeugen für Personen- und Gütertransport ab, überwindet dabei die Grenzen von LTE und entwickelt intelligente Systeme zur schrittweisen Automatisierung.
GUARDIAN - Safety-GUaranteed Autonomous opeRation for machinery under DIverse Area coNditions
Das Projekt GUARDIAN entwickelt sichere Automatisierungslösungen für schwere Arbeitsmaschinen wie Kräne und Gabelstapler in unstrukturierten Außenbereichen. Dafür nutzt es multimodale Sensorfusion und ausfallsichere Steuerung, um Umwelt- und Wetterrisiken zu bewältigen. Zudem untersucht es rechtliche Rahmenbedingungen und Zertifizierungen, um Akzeptanz und Einsatzfähigkeit zu fördern.
UMPAS - Umsetzung automatisierter Fahrzeugsteuerung auf Basis passiver Lokalisation
UMPAS entwickelt einen automatisierten militärischen Logistik-Lkw, der ausschließlich passive Sensorik verwendet und unabhängig vom GNSS (Globales Navigationssatellitensystem) funktioniert. Ziel ist es, den Prototypen auf zuvor eingelernten Offroad-Strecken zu testen. Die Technologie soll sichere Versorgungsfahrten in gefährlichen Gebieten ermöglichen. Besonders innovativ ist der Aspekt der passiven Lokalisierung.
Mobilitätslösung und Implementierung
Diese Projekte bringen automatisierte Mobilität in die Praxis und zeigen, wie automatisierte Fahrzeuge in bestehende Verkehrssysteme integriert, skalierbare Flottenlösungen entwickelt und geeignete Rahmenbedingungen für einen breiten Einsatz geschaffen werden können.
auto.Ready - Readiness Framework für automatisierte Mobilität in Österreich
Das Projekt auto.Ready entwickelt ein Readiness-Framework, das Stakeholder und öffentliche Institutionen bei der Einführung automatisierter Mobilität unterstützt. Es definiert Use Cases, Erhebungs- und Bewertungstools sowie Begleit- und Evaluierungssysteme, um effiziente und nachhaltige Implementierungen zu ermöglichen.
BEFAHRBAR - Methodik zur Bewertung potenzieller Einsatzgebiete autonomer Fahrzeuge hinsichtlich sicherer, effizienter Befahrbarkeit
Das Projekt BEFAHRBAR entwickelt eine automatisierte Methode zur Bewertung von Strecken für den Einsatz automatisierter Fahrzeuge im öffentlichen Nahverkehr. Zentrales Element ist ein Digitaler Zwilling, der Strecken- und Risikobewertungen sowie die Ableitung von Maßnahmen zur Gewährleistung der Betriebssicherheit ermöglicht. Ziel ist es, Genehmigungsprozesse zu vereinfachen und die Skalierung automatisierter Mobilität zu fördern.
CCAM_ArtLand
CCAM Artificial Landmarks untersucht ein neues Konzept künstlicher digitaler und physikalischer Orientierungspunkte für Mobilitätsdienste im Zusammenhang mit vernetztem und automatisiertem Fahren. Der Schwerpunkt liegt auf nachhaltigen und inklusiven Mobilitätslösungen, insbesondere durch den Einsatz automatisierter Busse.
FLIP-FLOP - Flexible Line and On-demand Public transport
Das Projekt FLIP-FLOP entwickelt ein KI-basiertes Tool zur Optimierung urbaner Mobilitätsdienste, das Buslinien und Anrufsammeltaxis kombiniert. Es nutzt maschinelles Lernen und generative Netze, um Routen und Fahrzeugnutzung in Echtzeit an die Nachfrage anzupassen und so Effizienz und Flexibilität zu erhöhen. Zusätzlich bewertet es alternative Antriebe sowie Technologien wie Elektrobusse und automatisierte Fahrzeuge.
HAF-ALP-TOUR Hybride und automatisierte Flotten (HAF) in alpinen Tourismusregionen
HAF-ALP-TOUR entwickelt nachhaltige und flexible Mobilitätslösungen für alpine Tourismusregionen in Österreich durch den Einsatz hybrider und automatisierter Flotten. Ziel ist es, Effizienz und Resilienz zu steigern, Umweltauswirkungen zu reduzieren und eine Grundlage für den Einsatz solcher Systeme zu schaffen.
HyFAR - Hybride Flotten und Automatisierung für regionale Entwicklung
HyFAR erforscht die Integration hybrider und automatisierter Flotten in Mobilitäts- und Transportsysteme in Österreich. Es entwickelt interoperable Leitstellen, nachhaltige Einsatzszenarien und optimierte Komponenten für einen sicheren Betrieb. Ziel ist die Skalierung automatisierter Flotten vom Pilot- zum flächendeckenden Einsatz.