BEV Fire Safety – Wie sicher sind Elektroautos wirklich?
Brandrisiko: E Autos schneiden besser ab als ihr Ruf
Obwohl mediale Berichte oft ein anderes Bild zeichnen, brennen Elektroautos deutlich seltener als Verbrenner. Internationale Studien zeigen: Das Brandrisiko liegt zehn- bis sechzigfach niedriger (Quelle, Quelle). Auch das österreichische Kuratorium für Verkehrssicherheit bestätigt diese Einschätzung (Quelle) – und die Versicherungen verzeichnen keine erhöhte Schadensquote bei BEVs (Quelle).
Warum hält sich dann der gegenteilige Eindruck?
Einzelne, spektakuläre Fälle erfahren große Reichweite. Die tatsächliche Häufigkeit bleibt aber sehr gering. BEV-Brände sind selten – und werden von Versicherungen genauso behandelt wie jene konventioneller Fahrzeuge. Elektroautos sind somit nicht nur sicher, sie sind sicherer als herkömmliche Fahrzeuge.
Was macht Batteriebrände besonders?
Lithium-Ionen-Batterien unterscheiden sich im Brandverhalten stark von klassischen Motorbränden.
Ein so genannter Thermal Runaway, führt in der Batterie zu einer unkontrollierten Wärmefreisetzung und kann zu einem starken Temperaturanstieg und zu einer Gasentwicklung führen. Dies erfordert besondere Lösch- und Kühlverfahren sowie geeignete Schutzmaßnahmen.
Damit rücken auch neue Sicherheitsmaßnahmen ins Blickfeld:
- crashfeste Batteriegehäuse,
- Sensorik für Temperatur, Strom und Kurzschluss,
- automatische Trennsysteme im Hochvoltnetz,
- verbesserte Ladeelektronik,
- neue Batterietypen wie Natrium-Ionen- und Festkörperbatterien.
Parallel dazu müssen auch Tiefgaragen, Ladeinfrastruktur und Logistikflächen an die neuen Anforderungen angepasst werden.
Wissen stärken: Side-Event auf der Mobilitätskonferenz 2026
Um Mythen zu entschärfen und fundiertes Verständnis zu schaffen, wird am 20. April 2026 ein Side-Event zum Thema BEV Fire Safety stattfinden (Quelle).
Expertinnen und Experten aus Forschung, Industrie und Verwaltung diskutieren:
- aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse,
- internationale Erfahrungen,
- Herausforderungen in der Praxis, etwa für Einsatzkräfte,
- innovative Lösungsansätze.
Ziel: Orientierung schaffen und die öffentliche Wahrnehmung versachlichen.
Wenn Sie Interesse haben, an der fachlichen Diskussion teilzunehmen, melden Sie sich bitte unter Mobilitätskonferenz 2026 an.
Europa und die Welt arbeiten gemeinsam an Lösungen
Internationale Kooperationen spielen eine große Rolle.
Im IEA EV TCP Task 49 (Electric Vehicles Technology Collaboration Programme der International Energy Agency) arbeiten 15 Länder zusammen, um Daten zu Brandereignissen, Prävention und Strategien zu sammeln und auszuwerten. Die Firma IRIS (Industrial Risk and Safety Solutions) sorgt als österreichischer Vertreter dafür, auf nationaler Ebene die Forschungs- und Vernetzungsaktivitäten zu EV-Brandsicherheit zu stärken und an den internationalen Themen auszurichten (Quelle).
Die EU wiederum unterstützt die sichere Ausrollung von E‑Mobilität mit klaren Leitlinien, etwa durch das Sustainable Transport Forum oder die CFPA-Europe, die 2025 neue Empfehlungen veröffentlichte (Quelle, Quelle). Weiters zu nennen sind hier die European Fire Safety Alliance und die European Parking Association.
Im Europäischen Rahmenprogramm Horizon Europe behandelt die 2Zero Partnership das Thema Brandschutz bei EVs mittels Ausschreibungen und The Batteries European Partnership Association (BEPA) sowie die BATT4EU Partnership bearbeiten das Thema im Kontext Batteriesicherheit und unterstützen EU-Regulierungen zu Battery Safety & Standards (Quelle). Europa investiert gezielt in die Brandsicherheit von Elektrofahrzeugen. Dabei lassen sich die geförderten Projekte grob in drei Ebenen einordnen:
- Grundlagenforschung (TRL 1–3)
– z. B. Projekte wie EVRISK (Quelle) → Fokus auf Chemie, Giftgase, Feuerdynamik. - Angewandte Forschung (TRL 4–5)
– Feuerwehr‑Taktiken, frühe Prototypen (BREND, Safe Firefighting). - Nahe am Markt / Demonstration (TRL 6–7)
– Großprojekte der 2Zero Partnership → neue Löschsysteme, Sensorik, Diagnose‑Tools, EV‑Sicherheit im Realbetrieb.
Dadurch werden Normen erarbeitet und gestärkt, neue Technologien entwickelt und die Batterie-Sicherheit weiter erhöht.
Österreich forscht und arbeitet aktiv mit
Aufgrund der hohen Relevanz des Themas widmen sich mehrere geförderte Projekte der Brandsicherheit bei Elektrofahrzeugen. Aus der Förderschiene Mobilitätswende sind dies z.B.:
- Das Projekt eTRUCK DACH untersucht das Brandverhalten eines batterieelektrischen Lkw in einem Realbrandversuch in einem Tunnel, um offene Fragen zu Sicherheit, Branddynamik und Auswirkungen auf Menschen sowie Infrastruktur zu klären. Dabei werden auch Toxizität freigesetzter Schadstoffe, mögliche Brandübertritte auf die Ladung und Handlungsempfehlungen für die Brandbekämpfung erforscht. Das Projekt vereint Expertinnen und Experten aus Österreich, Deutschland und der Schweiz und läuft von 2024 bis 2027 (Quelle).
- Das Projekt LiONESS entwickelt neue multiphysikalische Simulations‑, Mess‑ und Optimierungsmethoden, um Batteriepacks von Fahrzeugen der Klasse L ganzheitlich hinsichtlich Effizienz, Sicherheit und Nachhaltigkeit zu bewerten. Es fokussiert dabei auf Themen wie Thermal Runaway, mechanische Belastungen, Recyclingverfahren sowie 2nd‑Life‑Nutzungskonzepte. Ziel ist es, verbesserte, nachhaltigere Batteriesysteme zu ermöglichen und läuft bis 2027 (Quelle).
Fazit
Elektroautos sind sicherer, als viele glauben.
Trotzdem bringt die Mobilitätswende neue Herausforderungen für Brandschutz, Fahrzeugtechnik und Infrastruktur. Forschung, Industrie und Behörden arbeiten international wie national gemeinsam daran, Risiken weiter zu minimieren, Standards zu setzen und Transparenz zu schaffen. So bleibt die Mobilitätswende nicht nur klimafreundlich – sondern auch sicher.