Mobilitätserhebung aspern Seestadt: Mobilitätsverhalten auf Quartiersebene sichtbar machen

Wie bewegen sich die Bewohner:innen in ihrem unmittelbaren Wohnumfeld und wie verändern sich ihre Wege, Routinen und Wahl der Verkehrsmittel über die Zeit? Die Mobilitätserhebung aspern Seestadt liefert Antworten auf diese Fragen. Entwickelt und durchgeführt wird sie vom Mobilitätslabor aspern.mobil LAB, das dabei Mobilitätsdaten auf Quartiersebene erhebt und methodische und wissenschaftliche Expertise zur Umsetzung quartiersbezogener Mobilitätserhebungen aufgebaut hat und diese für weitere Projekte bereitstellt.

Jede Success Story ist einem der definierten Wirkungsbeiträge der österreichischen Mobilitätslabore zugeordnet. Das Beispiel der Mobilitätserhebung adressiert die Dimension „Aufbau und Bereitstellung von Wissen, Kompetenzen und Infrastruktur“. Einen Überblick über alle Wirkungsdimensionen der Mobilitätslabore finden Sie hier.

Mobilitätsverhalten im Alltag nachvollziehen

Das Mobilitätsverhalten von Bewohner:innen in ihren Quartieren ist bislang nur wenig erforscht. Regelmäßige Mobilitätserhebungen auf Stadt- oder Landesebene zeigen kleinräumliche Bewegungsmuster rund um den Wohnort nur unzureichend. Gerade in neuen Stadtentwicklungsgebieten wie der aspern Seestadt ist dieses Wissen jedoch zentral, um Mobilitätsroutinen der Bevölkerung zu kennen, Veränderungen über die Zeit nachvollziehen zu können und um Mobilitätsangebote entsprechend weiterentwickeln zu können.

Vor diesem Hintergrund lädt das aspern.mobil LAB seit 2019 Bewohner:innen ein, ihr Mobilitätsverhalten über eine Smartphone-App zu erfassen, und gewinnt so Einblicke in das Mobilitätsgeschehen auf Quartiersebene. Damit entsteht eine Datengrundlage, die spezifische Aussagen für das Quartier ermöglicht.

Vom Erhebungsdesign zur praktischen Umsetzung

Die Rolle des Labors umfasste dabei sowohl die methodische und wissenschaftliche Entwicklung des Erhebungsdesigns als auch die praktische Durchführung der Erhebung. Dazu zählten unter anderem die Information und Einbindung der Bewohner:innen, die Ausgabe von Geräten und die Prüfung der erhobenen Daten.

Die Erhebung liefert dabei nicht nur Momentaufnahmen der Mobilitätsmuster, sondern ermöglicht es auch, Veränderungen im Zeitverlauf zu beobachten. Für Wien 3420, die Entwicklungsgesellschaft des neuen Stadtquartiers aspern Seestadt, ist die Mobilitätserhebung ein wichtiger Baustein in ihrer Planung und Evaluierung, wie Andreas Neisen, bei Wien 3420 verantwortlich für den Bereich Mobilität, beschreibt:

Das aspern.mobil LAB hat mit der mehrjährigen Mobilitätserhebung sehr genaue Daten über das Mobilitätsverhalten in aspern Seestadt gesammelt. Für die Wien 3420 als Entwicklungsgesellschaft der Seestadt sind gute Daten die Grundlage für eine gute Planung. Das aspern.mobil LAB hat für die Mobilitätsplanung in der Seestadt einen wichtigen Beitrag geleistet.

Andreas Neisen, Wien 3420, Bereich Mobilität

Übertragbare Methodenkompetenz für quartiersbezogene Mobilitätserhebungen

Im Zuge der Umsetzung konnte das Labor zudem unterschiedliche Aktivierungsstrategien testen und die Möglichkeiten von Mobilitätserhebungen auf Quartiersebene wissenschaftlich untersuchen. Damit wurde methodische Expertise in der Implementierung von quartiersbezogenen Mobilitätserhebungen aufgebaut, die auch über die konkrete Erhebung in der Seestadt hinaus nutzbar ist.

Die Erfahrungen aus der Entwicklung des methodischen und wissenschaftlichen Designs konnten bereits an das Mobilitätslabor land.mobil LAB im niederösterreichischen Waldviertel weitergegeben werden. Die im aspern.mobil LAB aufgebaute Kompetenz bleibt somit nicht nur auf den urbanen Kontext der Seestadt beschränkt, sondern kann auch für andere räumliche Kontexte und Fragestellungen nutzbar gemacht werden.

Ergebnisse für Quartiersentwicklung und Forschung nutzbar machen

Die Mobilitätserhebung aspern Seestadt ist Teil der Evaluierung des Stadtentwicklungsgebiets und liefert im Bereich Mobilität die notwendigen Ergebnisse zu den Indikatoren. Die Zahlen aus der Erhebung bilden die Grundlage für eine datengestützte Weiterentwicklung der Seestadt und wurden beispielweise für den Ausbau der Wien Mobil Stationen herangezogen.  Darüber hinaus konnten verschiedene vom aspern.mobil LAB unterstützte Forschungsprojekte auf die im Rahmen der Mobilitätserhebung generierten Daten zurückgreifen und diese für ihre Forschungen nutzen. Ein Beispiel dafür ist das Projekt MultiMoFusion. Im Testlabor aspern Seestadt konnten Daten aus der Mobilitätserhebung mit Mobilfunkbewegungsdaten fusioniert werden. Diese neue Datenbasis, die auch das Zu-Fuß-Gehen und Radfahren entsprechend ihrer Bedeutung für die Mobilitätswende berücksichtigt, ermöglicht eine verbesserte Quartiersplanung.

 
  • Informationen und Ergebnisse der Mobilitätserhebung aspern Seestadt sind hier abrufbar.
  • Bei Interesse oder weiteren Fragen zur Mobilitätserhebung wenden Sie sich gerne an info@mobillab.wien.
  • Weitere Informationen zum Mobilitätslabor aspern.mobil LAB und seinen Tätigkeiten finden sich hier.

Das aspern.mobil LAB ist Teil der Mobilitätslabor-Initiative in Österreich. Einen Gesamtüberblick über die Initiative sowie Informationen zu den weiteren Mobilitätslaboren finden Sie auf der Übersichtsseite der Mobilitätslabore. Weitere Success Stories sind hier abrufbar.

 

Die Mobilitätslabore werden durch das Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) im Rahmen des FTI-Schwerpunkts Mobilitätswende gefördert, der durch die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) abgewickelt wird.