Betriebliches Mobilitätsmanagement in Wiener Betriebsgebieten: Vom Piloten zum dauerhaft etablierten Beratungsprogramm

Betriebliches Mobilitätsmanagement (BMM) gewinnt in Österreich zunehmend an Bedeutung. Das Mobilitätslabor Policy Lab entwickelte ein gebietsbezogenes Beratungsprogramm für Betriebliches Mobilitätsmanagement, das Wiener Unternehmen bei der Analyse ihrer Mobilitätssituation und bei der selbständigen Entwicklung konkreter Maßnahmen begleitet. Der Erfolg des Piloten führte zur dauerhaften Etablierung dieses Beratungsprogrammes.

Jede Success Story ist einem der definierten Wirkungsbeiträge der österreichischen Mobilitätslabore zugeordnet. Das Beispiel des BMM-Beratungsprogramms adressiert die Dimension „Vernetzung relevanter Akteur:innen und Stärkung des Innovationsökosystems“. Darüber hinaus wird die Dimension „Co-Creation und Einbindung relevanter Akteur:innen in Innovationsprozessen“ behandelt. Einen Überblick über alle Wirkungsdimensionen der Mobilitätslabore finden Sie hier.

Betriebliche Mobilität als Herausforderung für Standortqualität und Klimaziele

In vielen Wiener Betriebsbaugebieten prägen hohe Kfz- und Lkw-Verkehre den Alltag. Für Betriebe ergeben sich daraus konkrete Herausforderungen – etwa Parkplatzdruck, steigende Mobilitätskosten, Sicherheitsfragen sowie eine oft unzureichende Anbindung für Rad- und Öffi-Nutzung auf dem Weg zwischen Haltestelle bzw. Radweg und dem eigentlichen Betriebsstandort. Gleichzeitig wachsen die Erwartungen an Unternehmen, im Sinne der städtischen Klimaziele und einer modernen Arbeitgeberattraktivität nachhaltige Mobilitätsangebote zu fördern.

Bis dahin fehlte jedoch in Ergänzung zu bundesweiten Programmen wie klimaaktiv mobil ein strukturiertes, gebietsbezogenes Programm, das Unternehmen dabei unterstützt, ihre betriebliche Mobilität zu analysieren, passende Maßnahmen zu entwickeln und diese gemeinsam mit relevanten Akteur:innen vor Ort umzusetzen. Vergleichbare kommunale Programme existierten bereits in anderen Städten wie München.

Unternehmen gemeinsam in Bewegung bringen

Das Policy Lab entwickelte und realisierte daher gemeinsam mit den Initialpartnern Stadt Wien und Wirtschaftskammer Wien erstmals ein gebietsbezogenes Beratungsprogramm für Betriebliches Mobilitätsmanagement in Wiener Betriebsbaugebieten. Dabei wurden vier Gebiete aufgrund ihres Potenzials ausgewählt und die dort ansässigen Unternehmen über mehrere Monate begleitet.

Als niederschwelliger Einstieg wurden „Runde Tische im Grätzl“ organisiert, um interessierten Unternehmen erste Informationen über das Programm zu vermitteln. Darauf aufbauend vertiefte das Labor den Austausch mit den teilnehmenden Unternehmen im Rahmen von Workshops und individuellen Einzelberatungen. Im Mittelpunkt standen dabei die Vorstellung und Entwicklung konkreter Maßnahmen, Fragen der Umsetzung sowie die Sicherung der Ergebnisse. Fördermöglichkeiten von Seiten des Bundes durch klimaaktiv mobil wurden den Unternehmen aufgezeigt.

 

Darüber hinaus erarbeitet das Policy Lab Fachunterlagen und Entscheidungsgrundlagen, darunter der Leitfaden für Betriebliches Mobilitätsmanagement in Wien. Mit dem Wiener „BMM-Klub“ wurde zudem ein Austauschformat etabliert, das den Kontakt zu den Unternehmen über die Beratungsphase hinaus sichern und eine niederschwellige Plattform für Austausch, Dialog und kurze thematische Inputs bietet.

BMM in der Praxis: Maßnahmen, Kooperationen und Verstetigung

Durch das Programm wurde Betriebliches Mobilitätsmanagement erstmals systematisch in Wiener Betriebsgebieten verankert. Unternehmen erhielten konkrete Entscheidungsgrundlagen und setzten Maßnahmen um. Dazu zählen unter anderem Mobilitätsbefragungen der Mitarbeiter:innen, erste Schritte zur Einführung von Fahrrad-Leasing, die Nutzung von WienMobil-Monitoren zur verbesserten Information am Standort sowie die Entwicklung von Mitfahrangeboten. Ein konkretes Beispiel dafür ist die erste überbetriebliche Mitfahrbörse „FahrMit Inzersdorf“, deren Idee im Rahmen eines Policy-Lab-Workshops aufkam und gemeinsam mit sechs Inzersdorfer Betrieben entwickelt wurde.

Zudem entstand ein neues Netzwerk zwischen Unternehmen, Stadtverwaltung und Wirtschaftskammer, das auch nach Abschluss der Initiative weitergeführt wird. Das Thema betriebliche Mobilität wird dadurch nicht mehr nur als Klimaschutzmaßnahme betrachtet, sondern auch als strategischer Hebel für Standortqualität, Arbeitgeberattraktivität und effiziente Flächennutzung.

Durch das Policy Lab konnten wir als WKW gemeinsam mit Stakeholdern der Stadt Wien ein vertieftes Verständnis dafür gewinnen, welche Bedürfnisse Betriebe im Bereich Betrieblichen Mobilitätsmanagement tatsächlich haben. In diesem Rahmen konnten neue Formate und Prozesse gemeinsam mit Unternehmen erprobt werden. So ist es gelungen, Unternehmen gezielt bei der Weiterentwicklung ihrer Mobilitätsstrategie zu unterstützen. Die im Policy Lab gewonnenen Erkenntnisse sind für uns zentral, um Betriebliches Mobilitätsmanagement in einer Stadt wie Wien nachhaltig zu verankern.

Andrea Faast, WKW, Standort- und Infrastrukturpolitik

Die Weiterführung des Programms durch die Wirtschaftskammer Wien ab 2026 zeigt die nachhaltige Wirkung der im Policy Lab entwickelten Ergebnisse und Formate.

Das Policy Lab ist Teil der Mobilitätslabor-Initiative in Österreich. Einen Gesamtüberblick über die Initiative sowie Informationen zu den weiteren Mobilitätslaboren finden Sie auf der Übersichtsseite der Mobilitätslabore. Weitere Success Stories sind hier abrufbar.

 

Die Mobilitätslabore werden durch das Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) im Rahmen des FTI-Schwerpunkts Mobilitätswende gefördert, der durch die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) abgewickelt wird.