Reallabor Nußdorferstraße: Mobilitätslösungen im realen Verkehrsgeschehen erproben
Jede Success Story ist einem der definierten Wirkungsbeiträge der österreichischen Mobilitätslabore zugeordnet. Das Beispiel des Reallabor Nußdorferstraße adressiert die Dimension „Erprobung und Weiterentwicklung unter realen Bedingungen“. Einen Überblick über alle Wirkungsdimensionen der Mobilitätslabore finden Sie hier.
Neue Wege der Lösungsentwicklung
Die Stadt Salzburg befindet sich derzeit in der Erstellung ihres Mobilitätsplans 2040. Die Stadt möchte dabei neue Wege der Lösungsentwicklung gehen und Planungsansätze im realen Verkehrsgeschehen erproben und wissenschaftlich begleiten. Dabei hatte das Mobilitätslabor zukunftswege.at die Aufgabe, neue Ansätze und Partizipationsprozesse zu untersuchen und umzusetzen. Der inhaltliche Schwerpunkt lag auf der Analyse von Überholvorgängen zwischen Kraftfahrzeugen und Radfahrenden. Untersucht wurde, ob und unter welchen Bedingungen der gesetzlich vorgeschriebene Mindestüberholabstand eingehalten wird und welche Formen der Radverkehrsführung sich positiv auf ein sicheres Überholen auswirken. Die Nußdorferstraße wurde dafür in zwei Abschnitte unterteilt und mit zwei unterschiedlichen Bodenmarkierungen versehen.
Bis zur Entwicklung und zum Einsatz dieser Methodik waren detaillierte, objektiv erhobene Daten zu realen Überholvorgängen im Alltagsverkehr nur eingeschränkt verfügbar. Diese Lücke wurde mithilfe eines eigens ausgestatteten Forschungsfahrrads der Salzburg Research Forschungsgesellschaft geschlossen, das mittels LiDAR-Sensorik die Umgebung dreidimensional erfasst. Dadurch wurden sicherheitsrelevante Kenngrößen für reale Überholvorgänge im Alltagsverkehr erstmals objektiv messbar gemacht.
Forschung und Bevölkerung gemeinsam im Prozess
Eine zentrale Leistung des Mobilitätslabors lag in der Koordination aller am Projekt beteiligten Partner:innen und Behörden. Durch die gute Vernetzung des Labors und die frühzeitige Einbindung der Verwaltung konnten die erforderlichen behördlichen Abstimmungsprozesse zügig abgeschlossen werden.
Parallel zur technischen Erhebung konnten Verkehrsteilnehmende ihr subjektives Sicherheitsempfinden über Online-Feedback einbringen, welches zu konkreten Anpassungen im Versuchsablauf führte. Die abschließende Auswertung kombinierte technische Messdaten, Bevölkerungsrückmeldungen und die Fachexpertise von con.sens mobilitätsdesign und mündete in evidenzbasierte Maßnahmenvorschläge für die Stadt.
Die Verbindung aus technischer Erhebung, Partizipation und fachlicher Interpretation ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor dieses Ansatzes.
Von der Straße in die Stadtpraxis
Im Pilotbetrieb Nußdorferstraße wurden erstmals in der (Pionier-)Stadt Salzburg neue Bodenmarkierungen für Radfahrende auf Gemeindestraßen im Mischverkehr getestet und ihre Auswirkungen auf den Überholabstand untersucht. Die Stadt hat mit dem Ergebnisbericht eine Entscheidungsgrundlage erhalten, um diese neuen Markierungen auch auf anderen Gemeindestraßen umzusetzen. Aus dem Projekt ging zudem eine Empfehlung zur dauerhaften Umsetzung einer Markierungsvariante entlang der Nußdorferstraße hervor. Die Stadt hat dieser Empfehlung bereits grundsätzlich zugestimmt.
Dass die Stadt Salzburg unmittelbar nach Abschluss der ersten Erprobung unter realen Bedingungen zwei weitere beauftragt hat, illustriert den praktischen Nutzen des Formats. Die Übertragung auf eine Landesstraße innerhalb des Stadtgebiets wird geprüft; eine Erprobung zur Untersuchung einer möglichen Begegnungszone ist bereits in Planung. Die Arbeit des Mobilitätslabors zukunftswege.at weist damit einen Weg, wie Erprobungen unter realen Bedingungen schrittweise zum festen Bestandteil der städtischen Mobilitätsplanung werden können.
Verkehrsstadträtin Anna Schiester zeigt sich von den Ergebnissen überzeugt:
Mit dem Reallabor Nußdorferstraße konnten wir erstmalig einen Lösungsansatz aus einem Forschungsprojekt unter wissenschaftlicher Begleitung im realen Verkehrsgeschehen erproben. Die positive Umsetzung des Reallabors durch das Mobilitätslabor zukunftswege.at ebnet den Weg für weitere Laborumsetzungen.
Weiterführende Informationen
- Weitere Informationen zum Reallabor Nussdorferstraße sind hier abrufbar.
- Bei Interesse oder weitere Fragen zum Reallabor Nussdorferstraße steht Christian Kainz unter office@zukunftswege.at gerne zur Verfügung.
- Weitere Informationen zum Mobilitätslabor zukunftswege.at und seinen Tätigkeiten finden sich hier.
Zukunftswege.at ist Teil der Mobilitätslabor-Initiative in Österreich. Einen Gesamtüberblick über die Initiative sowie Informationen zu den weiteren Mobilitätslaboren finden Sie auf der Übersichtsseite der Mobilitätslabore. Weitere Success Stories sind hier abrufbar.
Die Mobilitätslabore werden durch das Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) im Rahmen des FTI-Schwerpunkts Mobilitätswende gefördert, der durch die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) abgewickelt wird.