Verhaltensänderung als Schlüssel: Wie Gemeinden und Regionen ins Handeln kommen

Der vom Mobilitätslabor Centre for Mobility Change (CMC) entwickelte Beratungsprozess unterstützt Gemeinden und Regionen dabei, Entwicklungspotenziale in konkrete Handlungsschritte zu übersetzen. Im Mittelpunkt steht die Festlegung von Handlungsschwerpunkten für eine nachhaltige Mobilität auf Gemeindeebene und die Ableitung umsetzbarer Maßnahmen zur Förderung umweltfreundlichen Mobilitätsverhaltens.

Jede Success Story ist einem der definierten Wirkungsbeiträge der österreichischen Mobilitätslabore zugeordnet. Das Beispiel des Beratungsprozesses adressiert die Dimension „Skalierung, Diffusion und Transfer“. Einen Überblick über alle Wirkungsdimensionen der Mobilitätslabore finden Sie hier.

Lokalen Mobilitätsherausforderungen begegnen

Die „Mobilitätssterne Tirol“ sind eine Mobilitätsauszeichnung des Landes für außerordentliche Leistungen von Gemeinden zur Förderung umweltfreundlichen Mobilitätsverhaltens. Grundlage dafür ist ein Mobilitätscheck, der bestehende Stärken sichtbar macht und zugleich Entwicklungspotenziale aufgezeigt. Um diese Potenziale gezielt weiterzubearbeiten, konzipierte das Centre for Mobility Change einen entsprechenden Beratungsprozess für Gemeinden.

Ziel dabei ist es, Akteur:innen dabei zu unterstützen, strategische Schwerpunkte in ihrer lokalen Verkehrspolitik zu setzen und konkrete Handlungen daraus abzuleiten. Der Prozess ist dabei bewusst zeiteffizient gestaltet und führt die Akteur:innen vor Ort so zu einem fokussierten Handeln.

Struktur und Orientierung für kommunale Mobilitätsprozesse schaffen

Der vom CMC entwickelte Beratungsprozess ist in drei Stufen aufgebaut. Am Beginn steht ein Erstberatungsgespräch, indem Zielsetzungen und Rahmenbedingungen definiert werden. Darauf folgt ein Stakeholder-Workshop, der ein gemeinsames Problemverständnis schafft und erste Lösungsansätze entwickelt. In einem abschließenden Strategiemeeting werden diese Ansätze bewertet, Umsetzungsschwerpunkte festgelegt und konkrete Umsetzungspläne inklusive Zeitleiste erarbeitet. Ergänzend dazu sind im Anschluss an den Beratungsprozess zwei Feedbackgespräche im Abstand von ca. einem halben Jahr vorgesehen. Diese dienen dazu, den Umsetzungsfortschritt zu evaluieren.

Verhaltensänderungen wissenschaftlich begleitet ermöglichen

Ein besonderes Merkmal des Beratungsansatzes liegt in seinem Fokus auf die Verhaltensänderung. Er beruht auf einem Ansatz, der die Dimensionen Motivation, Fähigkeiten und Gelegenheiten ebenso berücksichtigt wie bestehende Barrieren für Verhaltensänderung. Auf dieser Grundlage werden zielgruppenorientierte Strategien entwickelt, um diese Barrieren zu überwinden. Das Centre for Mobility Change unterstützt Gemeinden somit dabei, Maßnahmen zur Verhaltensänderung im Sinne der Mobilitätswende zu entwickeln und in die Umsetzung zu bringen. So werden Forschungserkenntnisse zur Verhaltensänderung direkt in handlungsleitendes Wissen für die kommunale Praxis übersetzt und aufbereitet.

Beratung für alle Gemeinden und Regionen Österreichs nutzbar machen

Die erstmalige Erprobung in der Tiroler Gemeinde Kappl zeigte, dass der Beratungsprozess in kurzer Zeit zu klaren Schwerpunktsetzungen führen kann. Die gemeinsam erarbeiteten Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung und besseren Erreichbarkeit des Ortszentrum von der Bundesstraße im Tal, der besseren Anbindung der Weiler sowie zum Ausbau der Busstation bei der Seilbahn zu einem Verkehrsknoten befanden sich zum Zeitpunkt des zweiten Feedbackgespräches bereits in Planung. Da sich im Zuge der Beratung verdeutlichte, dass auch eine Förderung des Radverkehrs sinnvoll ist, wurde daher ein vom Land Tirol unterstützter „ProByke“ Prozess gestartet.

Den Mehrwert der Beratung beschreibt der Bürgermeister der Gemeinde Kappl Helmut Ladner rückblickend wie folgt:

Durch die Beratung wurde unser Blick erweitert und wir konnten einen besseren Gesamtüberblick gewinnen.

Helmut Ladner, Bürgermeister Kappl

Eine erfolgreich durchgeführte Beratung in der Klima- und Energiemodellregion (KEM) Hohe Salve demonstriert, dass auch ganze Regionen von der Strategieberatung profitieren und so ihre nachhaltige Mobilitätsentwicklung vorantreiben können.

Im Rahmen der Mobilitätssterne Tirol ist das Angebot zusätzlich vom Land Tirol gefördert und steht damit allen Gemeinden, die an der Bewertung teilgenommen haben, zu einem geringen Selbstbehalt offen. Damit kann auf bereits vorhandene Ergebnisse aus dem Mobilitätscheck aufgebaut werden. Darüber hinaus bietet das CMC vergleichbare Leistungen auch allen anderen Gemeinden und Regionen in Österreich an.

Der Beratungsprozess macht deutlich, wie Gemeinden und Regionen durch einen kompakten, methodisch fundierten Prozess dabei unterstützt werden können, die Mobilitätswende auf lokaler Ebene strategisch anzugehen und in konkrete Maßnahmen zu übersetzen.

Durch die spezifische CMC-Expertise liegt der Fokus dabei auf Potentialen zur nachhaltigen Verhaltensänderungen konkreter Zielgruppen und der Einbindung von Stakeholdern. Für die Umsetzung können dann auch weitere Angebote und Förderungen wie z.B. klimaaktiv:mobil einbezogen werden.
  • Weitere Informationen zum Beratungsprozess sind hier abrufbar.
  • Bei Interesse oder weiteren Fragen zum Beratungsprozess steht Florian Hauser unter changemobility@uibk.ac.at gerne zur Verfügung.
  • Weitere Informationen zum Mobilitätslabor Centre for Mobility Change und seinen Tätigkeiten finden sich hier.

Das Centre for Mobility Change ist Teil der Mobilitätslabor-Initiative in Österreich. Einen Gesamtüberblick über die Initiative sowie Informationen zu den weiteren Mobilitätslaboren finden Sie auf der Übersichtsseite der Mobilitätslabore. Weitere Success Stories sind hier abrufbar.

 

Die Mobilitätslabore werden durch das Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) im Rahmen des FTI-Schwerpunkts Mobilitätswende gefördert, der durch die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) abgewickelt wird.