Neue Wege der Unternehmensmobilität: Betriebliches Mobilitätsmanagement im Kontext nachhaltiger Innovation

Betriebliches Mobilitätsmanagement gewinnt in Österreich zunehmend an Bedeutung. Der vorliegende Beitrag gibt einen Überblick über aktuelle Projekte und Initiativen, die Unternehmen auf dem Weg zur klimafreundlichen Mobilität unterstützen.

Ausgangslage und Relevanz

Betriebliches Mobilitätsmanagement (BMM) unterstützt Unternehmen dabei, die Mobilität ihrer Mitarbeitenden nachhaltiger, kosteneffizienter und klimafreundlicher zu gestalten. Die Bedeutung davon nimmt kontinuierlich zu. Grund dafür ist ein sich stark verändernder politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Rahmen.
BMM umfasst alle Maßnahmen, mit denen Unternehmen die Wege ihrer Mitarbeitenden sowie dienstliche Mobilität effizienter, kostengünstiger und umweltfreundlicher organisieren. Dazu zählen etwa die Förderung von Fahrgemeinschaften, die Einführung von Jobtickets oder der verstärkte Einsatz von Online-Meetings, um Dienstreisen zu reduzieren. Auch die Errichtung hochwertiger Radstellplätze, die Umsetzung von Dienstrad-Leasing sowie flexible Arbeitszeiten zur Reduzierung von Verkehrsspitzen zählen zu möglichen Angeboten. Ziel ist es, praktikable Alternativen zu schaffen, Kosten zu senken und zugleich die Zufriedenheit der Mitarbeitenden zu erhöhen (vgl. klimaaktiv mobil; Umweltbundesamt Österreich).

Unterstützungsangebote für nachhaltige Unternehmensmobilität in Österreich

Unternehmen werden durch den Bund seit Jahrzehnten durch das Programm klimaaktiv mobil dabei unterstützt, nachhaltige Mobilitätskonzepte umzusetzen. Darüber hinaus wurden auf nationaler Ebene zuletzt mehrere konkrete Initiativen gesetzt: Die ÖVG-Arbeitsgruppe BMM veröffentlichte ein Fachpaper, das Grundlagen, Maßnahmen und Empfehlungen für Unternehmen übersichtlich zusammenfasst. Angestoßen durch einen mit dem Mobilitätslabor Policy Lab entwickelten Piloten starten die WKW, Wiener Linien und UIV 2026 eine Beratungsinitiative "Betriebliches Mobilitätsmanagement 2026+", die Unternehmen in Wien gezielt bei der Umsetzung von Mobilitätsmaßnahmen unterstützt. 

Aktuelle Projekte und Entwicklungen

In den vergangenen Jahren wurde in einer Vielzahl an Forschungs- und Pilotprojekten Maßnahmen und Initiativen im Bereich Betriebliches Mobilitätsmanagement gesetzt. Für eine übersichtlichere Darstellung wurden diese in übergeordnete Themenbereiche eingeteilt.

Bedarfsgerechte Mobilitätsangebote

Ein zentrales Handlungsfeld bildet die Entwicklung bedarfsgerechter Mobilitätsangebote, die den PKW im betrieblichen Alltag durch flexible, klimafreundliche Alternativen ergänzen oder ersetzen.

ANTRIEB 

Das Projekt untersucht, wie Transporträder im Personenwirtschaftsverkehr (z. B. bei Installateur:innen oder Servicetechniker:innen) stärker in den urbanen Arbeitsalltag integriert werden können. Ziel ist es, kurze innerstädtische Dienstfahrten mit PKW durch Transporträder zu ersetzen, um CO₂-Emissionen zu senken und Zeit- sowie Kostenvorteile zu nutzen. Dafür werden Rahmenbedingungen und Motivationsfaktoren analysiert, Werkzeugkästen mit Stakeholdern entwickelt und in Realexperimenten in Wien und Graz getestet. Das Projekt liefert praxisnahe Handlungsempfehlungen im Sinne der österreichischen Klimaziele.

Sharing Hubs

Im Projekt Sharing Hubs werden Finanzierungs‑ und Betreibermodelle für multimodale Mobilitätsknoten (Sharing Hubs) in Wohn‑ und Betriebsgebieten erarbeitet. Ziel ist es, Angebote wie E‑Bikes, E‑Scooter und andere Sharing‑Dienste gemeinsam nutzbar zu machen, intermodale Mobilität zu erleichtern und dadurch die Akzeptanz geteilter Mobilität zu stärken, besonders jenseits klassischer ÖV‑Knotenpunkte.

Technische und Digitale Mobilitätslösungen

Ein weiterer Innovationsschwerpunkt liegt im Bereich technischer und digitaler Lösungen. So werden digitale Werkzeuge entwickelt, mit denen individuelle Mobilität besser geplant und die persönliche CO₂-Bilanz sichtbar gemacht werden kann.

mobiSwitch

mobiSwitch entwickelt eine verhaltensbasierte Do‑it‑yourself‑Plattform für betriebliches Mobilitätsmanagement. Unternehmen sollen damit ihre gesamte Mobilität (Pendler‑ und Dienstwege) datenbasiert analysieren und gezielte Maßnahmen zur Förderung umweltfreundlicher Verhaltensweisen gestalten, prüfen und optimieren können. Ein Lernmodell aus realen Unternehmensdaten soll Barrieren für nachhaltiges Mobilitätsverhalten sichtbar machen und veränderungsorientierte Handlungsempfehlungen liefern.

MUST

Das Projekt baut auf Erkenntnissen und Erfahrungen des FFG‑Leitprojekts DOMINO auf. Ziel ist es, ein daten‑ und verhaltensgestütztes, intermodales Verkehrsmanagement zu entwickeln, das Informationsflüsse über verschiedene Verkehrsträger intelligent kombiniert, um Verkehrsvermeidung, ‑verlagerung und ‑verbesserung faktenbasiert zu unterstützen. Dadurch sollen positive Verhaltensänderungen bei Nutzer:innen gefördert und die Grundlage für ein integriertes Verkehrs‑ und Mobilitätsmanagement gelegt werden.

Regionale und urbane Mobilitätslabore

Auch regionale und urbane Mobilitätslabore befassen sich mit Betrieblichem Mobilitätsmanagement. Sie sind lokale, regionale oder thematische Anlaufstellen, in denen Akteur:innen aus Wissenschaft, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gemeinsam innovative Ansätze in der Mobilität entwickeln und erproben. Im Folgenden werden jene regionalen und urbanen Mobilitätslabore angeführt, die sich unter anderem mit Fragestellungen des Betrieblichen Mobilitätsmanagements beschäftigen.

AmWy.mobility

Das regionale Mobilitätslabor für die Region Amstetten–Waidhofen/Ybbs fungiert als Netzwerk‑ und Wissensplattform zur Förderung nachhaltiger Personen‑ und Gütermobilität im ländlichen Raum entlang wichtiger Verkehrskorridore. Das Projekt bündelt Wissenstransfer, Datenanalysen und Kooperationen zwischen Gemeinden, Unternehmen und Forschungsinstitutionen, um gemeinsam regionale Mobilitäts‑ und Logistiklösungen zu entwickeln und innovative Mobilitätsstrategien umzusetzen.

MobiLab 2.0

MobilLab 2.0 ist das urbane Mobilitätslabor Oberösterreich (FH Steyr) und arbeitet seit 2017 im Zentralraum Linz–Wels–Steyr mit Fokus auf überbetriebliches Mobilitätsmanagement. Das Labor analysiert Pendlerströme, entwickelt gemeinsam mit Unternehmen und Gemeinden konkrete Maßnahmen und testet diese in Pilotprojekten – etwa Ridesharing-Lösungen wie die DOMINO-App, firmenübergreifende Mobilitäts-Hubs oder Shuttle-Angebote für Industriezonen. Es versteht sich als regionale Innovationsplattform, die Wissen zwischen Forschung, Unternehmen und öffentlicher Hand vermittelt.

MOBIREG

MOBIREG dient als Regionales Mobilitätslabor in Kärnten mit dem Ziel, nachhaltige Mobilitätslösungen für ländliche Regionen zu entwickeln. Aufbauend auf einer Sondierungsstudie vernetzt das Projekt lokale Akteur:innen aus Forschung, Wirtschaft und Verwaltung, analysiert regionale Mobilitätsprobleme (z. B. ÖV‑Lücken, demographische Verschiebungen) und erarbeitet gemeinsam Konzepte zur Verbesserung der Mobilitätsangebote, zur Integration bestehender Systeme und zur Stärkung des öffentlichen Verkehrs in peripheren Räumen.

plan b‑Lab

Das plan b‑Lab (Regionales Mobilitätslabor im Vorarlberger Rheintal) ist ein gemeinsames Projekt von sieben Gemeinden, das nachhaltige, erschwingliche und leistungsfähige Mobilität als Schlüssel für Lebens‑ und Standortqualität sowie Klimaneutralität adressiert. Das Projekt richtet sich auf die Entwicklung regionaler Konzepte, auf Mobilitätsbildung und Vernetzung sowie auf die praktische Weiterentwicklung von Verkehrsangeboten in einer Stadt‑Umland‑Konstellation, um langfristig nachhaltige Mobilitätssysteme in der Region zu etablieren.

Policy Lab

Im Bereich BMM hat das Policy Lab unter anderem in mehreren Wiener Betriebsbaugebieten Unternehmen bei der strategischen Verankerung von BMM begleitet und dabei über 23 Betriebe mit mehr als 8.700 Beschäftigten erreicht. Neben dem bereits genannten Programm „Betriebliches Mobilitätsmanagement 2026+" konnte das Policy Lab unter anderem folgende Aktivitäten umsetzen: